Renatus Czeskleba 1928–2012
„Es war in den 1980iger Jahren. Ich wohnte damals im Lavanttal, in einem kleinen Einfamilienhaus. Der HERR hatte uns dort hingerufen, um Missions- und Gemeindegründungsarbeit zu leisten.“ So begann eine Geschichte, die mir Renatus Czeskleba vor vielen Jahren erzählte.
Er fuhr fort: „An einem Samstagabend läutete es. Als ich aufmachte, standen zwei armselig gekleidete Männer vor mir. Es waren Roma. „Wir hätten gerne etwas Wein“, sagten sie, „nicht viel, vielleicht eine halbe Flasche. Morgen ist Sonntag, und wir wollen das Mahl des HERRN feiern. Aber wir haben keinen Wein.“ Ich war tief betroffen. Geschwister, die um Wein für das Mahl des HERRN betteln mussten?! „Morgen Vormittag treffen wir uns in meinem Haus zum Gottesdienst“, sagte ich, „wir können gerne das Mahl des HERRN miteinander feiern. Kommt doch alle zu uns!“ Am nächsten Morgen kamen 16 Roma Geschwister zum Gottesdienst, ihre Kinder aßen während des Gottesdienstes im Garten alle Früchte, die sie finden konnten. Es war ein bewegender Gottesdienst, der mehrere Stunden dauerte. Zum Schluss lud ich die Leiterin des Roma-Clans ein, nächste Woche wiederzukommen. Doch die Schwester blickte traurig zu Boden und sagte: „Wir müssen weiter.“ Wir sahen die Roma-Geschwister nie mehr.“
Diese Begebenheit charakterisiert Renatus wunderbar. Die Liebe Jesu – auch für die Armen, Unscheinbaren und am Rand Stehenden – hat sein Leben geprägt. Jesus war in Renatus, wie kaum in einem Zweiten, den ich kenne, sichtbar – wahrscheinlich deshalb, weil sein Leben und das seiner Familie – ebenso wie das Leben seines Herrn Jesus Christus – vom Leid und Krankheit geprägt war.
Renatus wurde in Deutschland geboren und studierte an der Bibelschule Wiedenest. Danach wurde er in die Missions- und Gemeindegründungsarbeit in die Steiermark – ins Aichfeld – und später nach Kärnten berufen. Durch seinen aufopfernden Einsatz gab es viel geistliche Frucht und Gemeinden entstanden.
1970 eröffnete Renatus eine Geschäftsstelle für den ERF in Österreich. Er war einer der Gründerväter des Vereins ERF-Österreich, und er war - bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1990 - dessen erster Generalsekretär. Die geistliche Handschrift von Renatus – das anhaltende Gebet, das unerschütterliche Vertrauen auf Gottes Wort und auf Seine Verheißungen – waren klar erkennbar. Es waren spannende Jahre mit Wundern und Gebetserhörungen. So wurde das „Haus in der Sonne“ in Perchtoldsdorf als Zentrum für den ERF erworben, und es wurden auch Programme des ERF-Ö über kommerzielle UKW Sender in vielen Teilen Österreichs ausgestrahlt.
Aber nicht nur der ERF hat in diesen Jahren das Leben von Renatus geprägt. Von 1985 bis 1991 war er auch Vorsitzender der Österreichischen Evangelischen Allianz (ÖEA). Er hatte wesentlichen Anteil daran, dass die Evangelische Allianz damals – gegen große Widerstände - mit diesem Namen als eingetragener Verein registriert werden konnte. Unter seiner Leitung wurde 1986 erstmals der „Allianz-Spiegel“ herausgegeben.
Unser Herr Jesus Christus hat Renatus und seiner Frau Inge sechs Kinder geschenkt. Einige Jahre nach dem Tod von Inge im Jahre 2000 hat Renatus nochmals geheiratet – Dora, verwitwete Jagoditsch.
Renatus ist am Ziel angelangt – bei Jesus Christus in der Ewigkeit. Er darf jetzt schauen, was er geglaubt und gelebt hat. Lasst uns dem Herrn Jesus für Renatus danken, und für den Segen Gottes, den wir und unser Land durch ihn erfahren haben.













