Blutige Krawalle zum Jahrestag
Die massiven Ausschreitungen in Ägypten in den letzten Tagen hatten nicht Christen zum Ziel. Dennoch können sie zur Bedrohung für die Kopten in Ägypten werden: Die große Gefahr für Christen ist, dass der Zorn gegen die Militärs und deren Untätigkeit auf die Kopten umgelenkt wird. Das könnte den Salafisten (extrem fundamentalen Muslimen, die keine Christen in Ägypten haben wollen, erreichten bei den Wahlen ca 24 % der Stimmen) und islamischen Terrorgruppen gelingen, wenn die Sicherheit im Land weiter gestört wird. Ägyptern ist bewusst, dass hier auch viele Interessen der Saudi-arabischen Fundamentalisten mitspielen. In Ägypten mischen viele mit. Nur Europa hält sich vornehm zurück. Dabei wäre das auch für Österreich die Chance: Mit unserer Wirtschaftshilfe und unserem Ansehen in der islamischen Welt könnten wir politisch und finanziell helfen, Weichen zur Demokratie zu stellen.
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Der Hintergrund der Ausschreitungen
Wenn Fußballspiele aufgrund von randalierenden, zornigen Fans in Gewalt eskalieren, hat das in der Regel, zumindest in Europa, nicht den Schwerpunkt eines politischen Hintergrundes. In Ägypten stellt sich die Situation anders dar. Die Revolution liegt ein Jahr zurück, die ersten Wahlen wurden abgehalten, das zentrale Machtinstrument des Staates im innerpolitischen Bereich ist nicht die Polizei, sondern das Militär. Die Bilder der Eskalation, welche über die weltweiten TV Bildschirme flimmerten, zeigten eine sich zurückhaltende Polizei, obwohl sich große Gruppen an vermeintlichen Fans bereits ein blutiges Gemetzel lieferten. Die Frage liegt auf der Hand: War das eine Inszenierung? Oder hat hier jemand ganz bewusst gezündelt und wenn ja, wer war es und vor allem warum? Die Macht des Militärrates ist nicht zu unterschätzen. Die Verflechtungen des Militärs in privatwirtschaftliche Belange ist sehr groß. Als Soldat verdient man nicht nur regelmäßig und vor allem überdurchschnittlich viel Geld, man hat auch die Möglichkeit das eigene militärische Netzwerk zu seinen Gunsten zu verwenden, zumindest wenn man in den höheren Offiziersklassen angesiedelt ist. Der Vorwurf der Korruption liegt nahe.
Die soeben als Regierung gewählten Vertreter des Volkes, die Muslimbrüder, verfügen über großen Einfluss im ägyptischen Volk, besonders in der armen und wenig gebildeten Landbevölkerung, die etwa 60% der Ägypter ausmacht. Was die Muslimbrüder im Gegensatz zum Militär nicht haben, ist die wirtschaftliche Stärke im Hintergrund. Sie müssen ihre Regierungsfähigkeit und den Benefit für das Volk erst unter Beweis stellen. Noch stehen sie am Anfang ihrer politischen Laufbahn und haben das Volk auf ihrer Seite. Aber sie haben nicht die Kontrolle über das Militär. Und dies ist in Ägypten der eigentliche Machtfaktor.
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Zurück zum Sport – Fußball ist Emotion. Und wenn in einem Land wie Ägypten, wo die Menschen soeben die größte politische Veränderung aus eigener Kraft bewerkstelligt haben, die Gemüter erhitzt sind, weil die neue Politik noch keine Früchte zeigt , dann wäre denkbar, dass eine Kraft genau dieses emotionsreiche Spiel auswählt, um ihre Interessen auf die Straße zu bringen. Und genau das passiert im Moment: Die Menschen sind wieder auf der Straße, die Proteste weiten sich auf immer mehr Städte aus. Und ihr Zorn gilt dem Militär, das als der zentrale Machtfaktor des Landes auch die Polizei kontrolliert und tatenlos zugesehen hat, wie ein Fußballstadion zur blutigen Arena wird. Und so hat Ägypten wieder eine nationale Katastrophe, nur ein Jahr nach der Revolution. Dass hinter allem auch alte Mubarak-Schärgen und einstige Günstlinge des Regimes stehen könnten, ist nicht von der Hand zu weisen. Eine echte Demokratisierung und eine Bildungsoffensive auf dem Land würde ihre Machtbasis bedrohen. Dann doch lieber eine Militärregierung, die die alten Machtstrukturen weitgehend unverändert bestehen lässt.
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CSI Österreich hilft unmittelbar Kopten in Ägypten. Helfen Sie mit Ihren Gebeten, Petitionen und Spenden unsere Arbeit sicherzustellen.
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Dr. Elmar Kuhn ist Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation CSI Österreich












